Lead-In-Change
7. Mai 2018
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Campus-Lecture: Lead-In-Change

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Wie kann man Veränderungen kreativ auf den Boden bringen?

Diese Frage stellte Andreas Posch, Studiengangsleiter und Bereichsleiter des Departments Technik am 14.01.2019 in den Mittelpunkt einer Campus Lecture. Zur Beantwortung eingeladen hatte er Capabiliteam. Die darin zusammengeschlossenen BeraterInnen Christian Majer, Susanne Schwanzer und Gerald Aschbacher, sind alle auch seit mehreren Jahren an der FH Campus Wien tätig und unterrichten in verschiedenen Studiengängen Projekt-, Prozess-, Qualitäts- und Change Management. „Leadin‘ Change geht leichter von der Hand, mit Vernuft, Charakter und Hausverstand.“ So fasste Ex-EAV-MitgliedMario Bottazzi, die Kernbotschaft des Abends gleich zu Beginn im Refrain seines Eingangs-Raps zusammen. Er verkörpert als Vierter im Bunde bei Capabiliteam, den „kreativen Unruhestifter“.

Ganz im Sinne ihres partizipativen Ansatzes bezogen die vier Vortragenden vom Beginn weg das Publikum ein und fragten: Woran scheitern Changeprojekte? Die Tag-Cloud, die das Publikum live erstellte, benannte viele wesentliche Aspekte. Die meistgenannten Begriffe darin bezogen sich auf mangelhafte Kommunikation, zu wenig ernst genommene Ängste und Widerstände – eben Emotionen.

Was hilft? „Unser Ansatz baut auf Partizipation“, so Christian Majer. Betroffene zu Beteiligten zu machen ist nicht neu, kursiert als Motto für gelingende Changeprozesse schon seit den 90er Jahren. „Capabiliteam versteht jedoch darunter nicht nur den Einsatz von Methoden und Instrumenten wie Sounding Boards für Feedbackschleifen“, führte Gerald Aschbacher weiter aus: „Es geht vielmehr darum, die Qualität der Zusammenarbeit zu thematisieren. Diese kommt oft als nachgeordnetes Thema dran. Doch sie sollte in der Priorität ganz nach oben und an den Beginn rücken. Bevor wir Prozesse im Detail analysieren, um sie zu optimieren, sollten wir die Haltungen und Mindsets thematisieren: Wo herrscht noch Silodenken? Wo sind Ansätze für fruchtbare Zusammenarbeit? Wenn im „weichen“ Thema Zusammenarbeit ein Durchbruch und Verständigung erfolgt, können bei den vermeintlich harten Themen in viel kürzerer Zeit Durchbrüche und tragfähige Lösungen erarbeitet werden.“ Der Change Experte erläuterte diesen Zugang an einem Praxisbeispiel, bei dem die Kreditprozesse in einer Bank vollständig hinterfragt und neu ausgerichtet wurden samt der dahinterstehenden Organisationseinheiten.  

Danach demonstrierte Susanne Schwanzer, wie auch Entscheidungen neu und anders getroffen werden können, wenn Capabiliteam Veränderungen begleitet: „Mehrheitsentscheidungen – egal ob sie 5:3 im kleinen Projektteam ausgehen, oder mit 2.340 zu 398 an einem Firmenstandort –schaffen immer ,Unterlegene‘. Oft boykottieren diese dann die Entscheidung, kaum dass sie getroffen wurde. Bei der Methode Systemisches Konsensieren wird verhindert, dass sich Vorschläge durchsetzen, die hohen Widerstand erzeugen. Für eine beliebig große Auswahl an Optionen wird der individuelle Widerstand der Beteiligten mit Werten von 0 bis 10 gemessen. So wird die Lösung ausgewählt, die den geringsten Widerstand in der gesamten Gruppe hervorbringt. Diese Option kommt dem Konsens am nächsten, ist nachhaltig und tragfähig“, so die Change Expertin.

Im abschließenden Fallbeispiel führte Christian Majer nochmals vor, wie Capabiliteam das strukturierte, schrittweise Vorgehen mit kreativen Methoden verbindet: Unter seiner Begleitung gaben sich die Führungskräfte eines Logistikunternehmens, das enorm wuchs, über zwei Jahre hinweg eine neue Struktur. Sie modifizierten ihre Prozesse und definierten ihr Führungsverständnis neu. Das strukturierte, schrittweise Vorgehen aus Analyse, Optionen entwickeln und umsetzen wurde dabei z.B. kreativ erweitert durch ritualisierte „Jammer-Runden“. Diese ermöglichten, wiederkehrende Befürchtungen und Widerstände zu artikulieren. Die von den Mitarbeitern selbst entwickelten Unternehmenswerte wurden im wahrsten Sinne des Wortes verinnerlicht: mit dem Wertecuvée©, einen Wein, den die Mitarbeiter gemeinsam cuvetierten.

Den Abschluss bildete eine 30-minütige Rap Factory: Unter Mario Bottazzis schwungvoller Anleitung fassten die ZuhörerInnen dieser Campus Lecture ihre Sicht auf Veränderung in 4 kurzen Rapsongs zusammen. So wurde noch einmal die Quintessenz des Abends kreativ auf den Boden gebracht.